SPRECHER | Bevor es losgeht, noch ein Hinweis: In diesem Beitrag werden körperliche Misshandlungen sowie psychische und sexualisierte Gewalt an Minderjährigen in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen der DDR thematisiert – zum Teil aus der Sicht einer Betroffenen.
Kapitel 0: Prolog
[Atmo S-Bahn | Durchsage „Nächste Station Torgau, Ausstieg in Fahrtrichtung rechts“]
Ich sitze in der S-Bahn von Leipzig nach Torgau, eine 20.000-Einwohner-Stadt in Nordsachsen. Dort bin ich mit Corinna Thalheim verabredet. Ich bin etwas angespannt, aber auch froh, sie gleich zu treffen. Es war nämlich nicht so einfach, jemanden wie Corinna Thalheim zu finden.
[elektronisches Piepen bei Öffnung der S-Bahn-Tür | Schritte auf Schotter]
Wir treffen uns – vom Bahnhof aus gesehen – auf der anderen Seite der schönen Torgauer Altstadt. Dort arbeitet Corinna Thalheim.
CORINNA THALHEIM | Sie haben sich ja an mir vorbei geschlichen.
Echt? Einfach so…
CORINNA THALHEIM | Ich stand in der Ausstellung unten und habe auf Sie gewartet.
Ach so? Hallo!
CORINNA THALHEIM | Hallo!
Das tut mir leid, dass Sie gewartet haben.
CORINNA THALHEIM | Alles gut.
[Intro setzt ein]
Corinna Thalheim arbeitet in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. Sie ist dort Beraterin – für Betroffene. Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau war die letzte Instanz im System der Kinder- und Jugendhilfe in der DDR. Es war ein Heim in einem ehemaligen Gefängniskomplex. Untergebracht waren dort Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. In den Augen des SED-Regimes galten sie als zu unangepasst, als verhaltensauffällig, als schwer erziehbar. Und in Torgau sollten sie zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ umerzogen werden – so nannte man das offiziell. In Wirklichkeit wurden die Jugendlichen aber monatelang eingesperrt, gedemütigt, missbraucht, gefoltert. Mehr als 4.000 Jugendliche wurden dort ab Mai 1964 bis zur Auflösung kurz nach dem Mauerfall eingewiesen. Und Corinna Thalheim war eine von ihnen.
CORINNA THALHEIM | Das Schlimmste. Das war das Schlimmste. Also, Torgau hat man lebenslänglich. So müssen Sie das sehen.
SPRECHER | Das ist „Torgau, lebenslänglich“ – Wie Betroffene mit den Folgen der Unterbringung im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau leben. Ein Feature von Oliver Haupt.
[Intro klingt aus]
Kapitel 1: Vorgestern
[Verkehrsrauschen | Vogelgezwitscher | Schritte auf Asphalt]
Ich stehe auf einer geteerten Fläche neben der Gedenkstätte. Im Asphalt sieht man noch die Umrisse der ehemaligen Gefängnismauern, wo die zwei schweren Eisentore der Schleuse verbaut waren. Die mussten die Jugendlichen damals bei ihrer Ankunft in Torgau passieren, in Handschellen wie Schwerverbrecher. Als hier noch der Geschlossene Jugendwerkhof war, mussten die jungen Frauen hier auf dem ehemaligen Mädchenhof zwischen meterhohen Betonmauern mit einbetonierten Glasscherben und vergitterten Zellenfenstern bis zur völligen Erschöpfung Sport machen – aber nicht etwa zur körperlichen Ertüchtigung. Meistens war das Zwangssport als Strafe, oft vier-, fünfmal am Tag. Auf den beiden voneinander getrennten Höfen für Jungen und Mädchen war damals jeweils eine Sturmbahn aufgebaut, wie bei der NVA. Nur dass die Eskaladierwand auf der Sturmbahn bei der NVA 20 Zentimeter niedriger war als die im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau. Eigentlich eine Fehlproduktion, aber in der DDR wurde ja nichts weggeschmissen. 30 Mal pro Sporteinheit mussten die jungen Frauen über diese Eskaladierwand drüber, erzählt mir Corinna Thalheim. Sie war 1985 hier im Geschlossenen Jugendwerkhof.
CORINNA THALHEIM | Ich war zum Schluss dreieinhalb Monate in Torgau. Und die dreieinhalb Monate waren vor meiner Entlassung. Also ich bin aus Torgau dann auch nur noch zurück ins Stammheim, um meine Papiere zu holen und wurde dann direkt nach Hause entlassen.
[kurzer Trenner]
Wie macht man da weiter? Nach so einer Erfahrung. Und was macht das mit den Betroffenen? Darauf kommen wir gleich ausführlich zurück.
[Verkehrsrauschen | Vogelgezwitscher | Schritte auf Asphalt]
In dem langgezogenen Komplex, wo mal der Zellentrakt drin war, sind heute recht neu gemachte Wohnungen. Ganz hübsch eigentlich – mit Holzbalkons, manche mit kleinem Vorgarten. Aus einem ehemaligen Zellenfenster raucht ein älterer Mann. Zwischen den ersten Vorgärten gibt es heute noch einen Seiteneingang. Dort geht es eine Treppe runter in den Keller des ehemaligen Jugendwerkhofs. Da unten ist es sowieso schon bedrückend eng in den Gängen. Aber nochmal deutlich enger sind die noch erhaltenen Dunkelzellen. Ein Hocker war da drin, ein Emailleeimer als Klo und eine Holzpritsche ohne Matratze. In die Dunkelzelle musste man, wenn der Einzelarrest nach Ansicht der oft sadistischen Erzieherinnen und Erzieher noch nicht Strafe genug war. Es war keine Seltenheit, dass die Jugendlichen 10 oder 12 Tage lang in so einer Dunkelzelle bleiben mussten. Noch schlimmer war nur der „Fuchsbau“. So wurde eine ganz bestimmte Dunkelzelle genannt. Ein Kellerloch, 1,30m hoch, 1,60m breit, stockfinster, keine Pritsche, kein Emailleeimer. Man kann darin weder stehen noch liegen noch sitzen, auch weil der Kellerboden zu kalt und zu feucht ist. Man kann nur kauern – und das musste man dann über Tage hinweg. In den Keller konnte ich bei einer offiziellen Besichtigung mit einer anderen Mitarbeiterin der Gedenkstätte. Corinna Thalheim selbst kann die Kellerräume nicht betreten, auch 40 Jahre nach Ihrer Entlassung nicht. Warum sie damals 1985 in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau eingewiesen wurde, weiß Corinna Thalheim nicht genau.
CORINNA THALHEIM | Das weiß keiner. Also offiziell ist es immer diese mehrfache Entweichung aus dem Stammheim. Also wer öfter abgehauen ist und und und. Bei mir war das so, dass ich dreimal in Wittenberg abgehauen bin. Und ich hatte dann, nach dem dritten Mal, als ich wieder nach Wittenberg zurückkam, habe ich dann gedacht: „Das ist mir hier zu blöd“. Ich hätte noch achteinhalb Monate bis zu meiner Entlassung gehabt. Die wollte ich durchziehen und das habe ich auch gemacht. Ich bin aber dann trotzdem dreieinhalb Monate vor meiner Entlassung nach Torgau gebracht worden.
So genannte Entweichungen – also Fluchtversuche aus anderen Heimen – waren die häufigsten Gründe für die Einweisung in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau. Zu flüchten, galt als Verstoß gegen die Heimordnung – genau wie so genanntes „renitentes Verhalten“, wozu etwa „Schul- und Arbeitsbummelei“ oder „Herumtreiberei“ zählten. Auch wenn man sich zum Beispiel der westlichen Popkultur zu weit geöffnet hatte oder das politische System der DDR etwas zu offen kritisierte, konnte das eine Einweisung zur Folge haben. Aber eben auch, wenn man zum Beispiel aus instabilen Familienverhältnissen kommt, die Mutter verstorben ist oder der Vater Gewalt ausübt oder alkoholabhängig ist.
[kurzer Trenner]
Aber kaum jemand ist direkt nach Torgau gekommen, die meisten Jugendlichen waren vorher schon in so genannten Spezialheimen. Dorthin kamen zum Beispiel Kinder und Jugendliche, die in den so genannten Normalheimen nicht so funktioniert hatten, wie es sich für eine sozialistische Persönlichkeit zu gehören hatte. Denn das war das übergeordnete Ziel des Systems der Kinder- und Jugendhilfe in der DDR: Nicht etwa die altersgerechte Betreuung und Entwicklungsförderung, sondern die Erziehung zu einer „allseitig und harmonisch entwickelten sozialistischen Persönlichkeit“. So stand es im Gesetz. Und wen das zuständige Ministerium für Volksbildung von diesem Weg abkommen sah, der oder die musste eben nicht nur erzogen, sondern umerzogen werden.
MANUELA RUMMEL | Man muss ja sagen, es ging ja immer vor Torgau schon eine andere Heimbiografie los. Weil Torgau war ja so diese Endstation im Erziehungssystem. Das heißt, wenn die Kinder und Jugendlichen in diesen anderen Heimen, in der ersten Instanz der Umerziehung sozusagen, sich dieser Umerziehung widersetzt haben, dann konnten die ja in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau eingewiesen werden.
Das ist Manuela Rummel. Sie arbeitet auch in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und leitet dort die Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit.
MANUELA RUMMEL | Es gab so viele Fluchten aus diesen Umerziehungseinrichtungen, diesen Jugendwerkhöfen. Und das hinterfragt man nicht, sondern man sanktioniert das. Und dann steht plötzlich der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau an, eine gefängnisähnliche Einrichtung, ohne dass es dafür je ein richterliches Urteil gegeben hat.
Wie bei Corinna Thalheim. Angefangen hat alles als sie 14 war, also drei Jahre vor ihrer Einweisung nach Torgau.
CORINNA THALHEIM | Ich war schon als Kind immer so geschichtsinteressiert. Und mein Großvater war ja in zwei Weltkriegen. Meine Mutter ist 1933 geboren, mein Vater auch. Das sind ja alles Kriegskinder. Und mein Großvater hat mir immer viel erzählt.
Unter anderem hat er ihr vom größten Frauengefängnis der DDR erzählt, von Hoheneck in Stollberg im Erzgebirge. Dort saßen politische Gefangene ein, unter anderem auch ehemalige KZ-Aufseherinnen.
CORINNA THALHEIM | Das hat mich immer wahnsinnig interessiert, was das für Menschen sind. Und es war dann wirklich mein innigster Berufswunsch, ich wollte Strafvollzugsbeamtin im Frauengefängnis Hoheneck werden. Ich hatte dann ein Vorgespräch in der Strafvollzugseinrichtung Waldheim, wie dann der berufliche Werdegang ist. Das hat man mit 14 in der Schule immer gemacht. Und die haben mir das dann erklärt. Es war aber so, dass mein Bruder 1977 über den Kaßberg in Chemnitz verkauft worden ist, nach Westen, nach zweimaliger versuchter Republikflucht.
Das nannte sich Häftlingsfreikauf. Ab 1963 kaufte die BRD bis zur Wende mehr als 33.000 politische Gefangene aus DDR-Gefängnissen frei. Viele von ihnen saßen wie Corinna Thalheims Bruder wegen versuchter Republikflucht in Haft. Das Kaßberg-Gefängnis war der Dreh- und Angelpunkt für diese Freikäufe. Der Bruder wollte schon zweimal aus der DDR fliehen, das machte offenbar auch Corinna Thalheim verdächtig. Es wurde von ihr verlangt, …
CORINNA THALHEIM | … dass ich dann halt diese Familienbindung abbreche, um eben diesen Beruf zu lernen. Das ist das, was ich nicht wollte. Daraufhin ist es nicht dazu gekommen. Also habe ich dann angefangen, zu rebellieren. Naja, und dann kam ja noch die Pubertät. Und dann habe ich gesagt: „Ich will das hier alles nicht mehr“. In meiner Stadt gab es ja dann auch sogenannte Asoziale. Das war dann wie so eine Ersatzfamilie für mich geworden.
Ein paar Monate später fasst Corinna Thalheim den Entschluss, das mit der Ausbildung zur Strafvollzugsbeamtin doch anzugehen. Und wendet sich freiwillig ans Jugendamt.
CORINNA THALHEIM | … und habe beim Jugendamt selbst gefragt, ob es die Möglichkeit gibt, dass ich in irgendein Internat kommen kann, wo ich meine Schule zu Ende bringen kann. Und ja, das Ende davon war: Einweisung in den Jugendwerkhof Wittenberg. Und das alles hinter dem Rücken von mir und meiner Mutter.
20 Jahre später erfährt Corinna Thalheim, dass da bereits die Zwangsausschulung für sie beantragt worden war. Statt ihren Abschluss machen zu können, muss sie die reguläre Schullaufbahn abbrechen.
CORINNA THALHEIM | Zwangsausschulung, das heißt, ich habe einen Abgang der 8. Klasse, obwohl ich neuneinhalb Jahre in die Schule gegangen bin.
Im Jugendwerkhof sollte das Ziel der Umerziehung nämlich durch Arbeit erreicht werden – und auch dort schon mit Gewalt, militärischem Drill, Kollektivstrafen und Isolationshaft. Dreimal ist Corinna Thalheim von dort geflohen, dreimal wurde sie wieder aufgegriffen und zurückgebracht. Und dann, dreieinhalb Monate vor ihrem 18. Geburtstag, ab dem die DDR-Jugendhilfe endlich nicht mehr für sie verantwortlich ist – wird Corinna Thalheim nach Torgau eingewiesen.
CORINNA THALHEIM | Man hat dann gedacht: „Okay, gut. Zu guter Letzt und jetzt ist gerade Platz in Torgau. Schicken wir sie dann doch noch mal dorthin.“ Und so war es.
[langer Trenner setzt ein]
Kapitel 2: Gestern
[Trenner klingt aus]
[Verkehrsrauschen | Vogelgezwitscher | Schritte auf Asphalt und Schotter]
Es ist ein warmer Freitag im Sommer 1985. An dem Tag kommt Corinna Thalheim aus dem Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau frei. Um ihre Entlassungspapiere in Empfang zu nehmen, muss sie nochmal nach Wittenberg zurück in ihr Stammheim.
CORINNA THALHEIM | Ich bin ja an einem Freitag hier entlassen worden. Und ich bin ja Missbrauchsopfer in Torgau geworden durch den Direktor. Und der hat mich an dem Freitag mit seinem Privatauto selbst nach Wittenberg gebracht. Das war nicht unüblich, dass der so was gemacht hat. Und unsere Fahrt von Torgau nach Wittenberg war sehr lang. Das heißt, mein Missbrauch hat auf dieser Fahrt noch mal stattgefunden.
Dass der langjährige Direktor des Geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau, Horst Kretzschmar, die dort untergebrachten Jugendlichen regelmäßig sexuell missbraucht hat, ist gut dokumentiert, auch etliche andere Betroffene berichten davon.
CORINNA THALHEIM | Das war nochmal dieses „Dir zeige ich es jetzt nochmal“ – bis zum Schluss.
Als Corinna Thalheim nach dieser Fahrt im Jugendwerkhof Wittenberg ankommt, muss sie feststellen, …
CORINNA THALHEIM | … dass das niemanden interessiert hat, wie ich aussah, wie es mir ging. Keiner hat gefragt. Das war halt alles schon soweit fertig. Meine Mutter war an dem Tag da und holte mich ab, zusammen mit meinem Schwager. Die hat dann alle Papiere unterschrieben, ich kriegte meine Sachen. Und es hat mich keiner gefragt, warum ich so aussehe, wie ich aussehe. Und ich muss schlimm ausgesehen haben.
[kurzer Trenner]
Viel Zeit, um dann in ihrem neuen Leben in Freiheit anzukommen, hat Corinna Thalheim nicht. Sie zieht an dem Wochenende wieder bei ihrer Mutter ein. Die hat ein eigenes Haus und genug Platz. Gleich nach diesem Wochenende, am darauffolgenden Montag muss der Alltag weitergehen bzw. wieder losgehen, als wäre nichts gewesen. Keine Zeit, um zu verarbeiten. Keine Zeit, um sich irgendwie bewusst zu werden, was einem da in den letzten Monaten widerfahren ist.
CORINNA THALHEIM | Ich bin freitags aus Torgau entlassen worden, habe dann auf dem Weg nach Wittenberg nochmal die Hölle durchleben müssen. Montags habe ich dann in der Obstproduktion angefangen – und zwar in der Brigade „Frohe Zukunft“. Es war immer so, dass zu DDR-Zeiten das Jugendamt viel bestimmt hat, wo man arbeiten gehen muss, wenn man entlassen wird. Und mich hat man dann in die Obstproduktion gesteckt, weil wie gesagt, ich komme ja aus der Region. Der Baum blühte. Und es war ja auch noch mein Geburtstag, an dem mir ja früh nur meine Mutter gratuliert hat und kein anderer. Ich bin dann am nächsten Tag oder abends an dem Tag wieder zu den Leuten zurück, mit denen ich vorher zusammen war. Und ja, die haben mir dann den guten Ratschlag gegeben, was ich machen kann. Ich habe mir dann selbst weh getan und bin dann halt ins Krankenhaus. Ich habe mich wirklich an der Hand so verletzt, dass es genäht werden musste. Ich hatte dann zumindest erstmal einen Krankenschein, den ich vorlegen konnte. Also konnte mir schon mal das Jugendamt nichts nachweisen. Das kann ja mal passieren, dass man ausrutscht und sich an einer Glasscheibe schneidet.
Während Corinna Thalheim krankgeschrieben ist, hört sie sich nach einem anderen Job um. Ihre Mutter arbeitet im VEB Elektromotorenwerk Hartha, auch ELMO genannt. Und dort, in der Großküche im Werk 1 fängt Corinna Thalheim dann als Küchen- und Kantinenhilfe an. Trotzdem muss sie sich weiter regelmäßig beim Jugendamt melden, sie wird ständig kontrolliert.
CORINNA THALHEIM | Ob ich eben arbeiten gehe, ob alles in Ordnung ist, ob meine Wohnung sauber ist. Und 1986 im Mai kam meine erste Tochter zur Welt. Da wurde dann auch noch kontrolliert, ob das Kind sauber ist, genug zu essen hat und und und. Also das war schon Vollkontrolle pur. Und ja, ich bin für mich dann immer nur den geraden Weg gegangen, weil ich nur noch in Angst gelebt habe. Fangen die mich wieder weg? Holen die mein Kind weg? Nehmen die mir mein Kind weg oder wie auch immer. Die haben mir mitten auf der Straße mein Kind aus dem Kinderwagen genommen, haben geguckt, ob der Kinderwagen sauber ist und und und. Das hatte dann die Folge, dass ich ab dem Zeitpunkt den Kinderwagen nicht mehr fahren konnte. Das heißt, meine Mutter hat dann viel den Kinderwagen geschoben. Oder ich bin eben ohne meine Tochter in die Stadt.
Ungefähr ein Jahr nach ihrer Entlassung, hören diese Kontrollen vom Jugendamt auf.
CORINNA THALHEIM | So im August/September 1986 war dann Schluss mit den Kontrollen. Dann war Ruhe, dann war es gut. 1987 habe ich zum ersten Mal geheiratet, dann haben sie mich sowieso in Ruhe gelassen. Weil dann war ich ja diese rahmentliche, sozialistische Familie. Also ich hatte einen Job, ich hatte ein Kind, ich hatte einen Mann – und damit war die Geschichte dann erledigt.
Zumindest für das Jugendamt war die Geschichte dann erledigt. Für Corinna Thalheim geht sie aber weiter. Weil sie durch die Arbeit in der Großküche zu wenig Zeit mit ihrer Tochter hat, fängt sie einen neuen Job in einer Bäckerei in ihrem Ort an. Irgendwann bekommt sie den Abschluss als Konditorin anerkannt. Dann kommt die Wende …
CORINNA THALHEIM | … der natürlich nach der Wende nicht mehr zählte. Anerkennende Berufe waren dann vorbei. Und dann habe ich mich, ja, mit irgendwelchen Jobs über Wasser gehalten. Und habe dann 2002 eine Umschulung über das Arbeitsamt zur staatlich geprüften Hauswirtschafterin gemacht.
Ein paar Jahre später macht sie noch ihren Ausbilderinnenschein, arbeitet dann in der Jugend- und Erwachsenenbildung. Und vor 13 Jahren fängt sie dann in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau an.
[kurzer Trenner]
Viele Betroffene machen ähnliche Erfahrungen.
MANUELA RUMMEL | Das hat natürlich Auswirkungen direkt nach dem Heimaufenthalt.
Das ist wieder Manuela Rummel, ebenfalls von der Gedenkstätte in Torgau.
MANUELA RUMMEL | Man ist recht orientierungslos. Plötzlich steht man dann da, mit diesen Erfahrungen. Es gibt niemanden, der einen nachbetreut, niemanden, der einen irgendwie auffängt. Und es wird wieder so ein Schweigen über alles gelegt. Man spricht vielleicht auch im Umfeld nicht darüber, weil, wenn man sagt: „Ich war im Jugendwerkhof“, dann sind sofort Vorurteile da. Oder auch: „Ich habe Gewalt erlebt, über die ich gar nicht sprechen kann und möchte“.
Und dann kommt man raus, ist gerade 18 geworden und muss mit diesen Erfahrungen, ohne irgendeine Form der Wiedereingliederung, häufig ohne jegliche Unterstützung irgendwie in das Leben danach starten – und oft eben auch noch ohne Abschluss.
MANUELA RUMMEL | Das heißt, wenn man dann rausgekommen ist, hatte man vielleicht auch gar keinen Berufsabschluss. Und dann geht natürlich diese Kette los. Und man steht dann plötzlich da und jetzt soll man alles strukturieren mit diesen Erlebnissen und dann vielleicht auch noch Geld verdienen und nebenbei vielleicht noch Abschlüsse machen. Wenn es da keine Unterstützung von außen in irgendeiner Form gab, war das für viele Betroffene gar nicht möglich. Und genau, das zieht sich dann eben komplett durch durch das Leben.
Ein niedriger Schulabschluss, keine abgeschlossene Ausbildung und Berufserfahrung maximal in Hilfsarbeiten durch die Zwangsarbeit in Torgau. Und was eben noch dazu kam: Stigmatisierung.
MANUELA RUMMEL | Und immer diesem Stempel in der Akte damals noch zu DDR-Zeiten – „Jugendwerkhöfler“. Da hatte man es schon in der DDR recht schwierig und war mit Vorurteilen konfrontiert. Und wenn wir uns aber ins Heute begeben – wir sind eine Leistungsgesellschaft. Es gibt einige Betroffene, die haben es aufgrund dieser Erfahrungen und Erlebnisse schon schwer genug, ihren Alltag irgendwie zu strukturieren. Und mit diesen Ausbildungsabschlüssen – Ausbildungsabbrüchen auch – manchmal in Berufen, die es ja heutzutage auch gar nicht mehr gibt, ist es für die Betroffenen sehr, sehr schwer, auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor. Das heißt: Was haben die Betroffenen für eine Arbeit dann ergriffen? Wie wurde die bezahlt? Oftmals waren das eben dann nicht diese großen Aufstiegsmöglichkeiten.
[langer Trenner setzt ein]
Kapitel 3: Heute
[Trenner klingt aus]
Dass es ihnen vorenthalten wurde, die Schullaufbahn regulär abzuschließen und eine Ausbildung zu machen, hat für viele Betroffene lebenslange Konsequenzen. Manuela Rummel hat das schon angedeutet. Normale Erwerbsbiografien sind selten. Das liegt aber nicht nur an der geringen beruflichen Qualifizierung. Nicht wenige Betroffene leben bis heute mit körperlichen und vor allem psychischen Folgeerscheinungen von ihrer Unterbringung im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau.
[Schritte in einem langen Gang | Klopfen an Holztür | Öffnen und Schließen der Tür | Hallo]
Ich bin im Uniklinikum Leipzig. In der Philipp-Rosenthal-Straße im Südosten der Stadt ist die Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie. Dort bin ich mit Professorin Heide Glaesmer verabredet. Heide Glaesmer ist spezialisiert auf Psychotraumatologie, sie erforscht die Entstehung und Behandlung von Traumata. Gemeinsam mit Fachkolleginnen und -kollegen hat sie in einer umfangreichen Studie untersucht, was die traumatischen Erfahrungen in den DDR-Jugendwerkhöfen für Folgen hatten – und für viele Betroffene nach wie vor haben.
HEIDE GLAESMER | Grundsätzlich ist es so, dass eben Traumatisierungen oder Kindesmisshandlung unterschiedliche psychische Folgen haben. Da gibt es erstmal so einen Bereich, das nennen wir klassische Traumafolgestörungen. Die bekannteste ist die posttraumatische Belastungsstörung oder die komplexe posttraumatische Belastungsstörung. Aber es ist keineswegs so, dass man nur das bekommen kann. Man kann eben auch Suchterkrankungen, Depressionen und ganz viele andere Erkrankungen bekommen. Es ist also tatsächlich breit.
In der Studie von Heide Glaesmer mit Betroffenen, die als Jugendliche in DDR-Jugendwerkhöfen untergebracht waren, da ist ausgerechnet die komplexe posttraumatische Belastungsstörung besonders ausgeprägt.
HEIDE GLAESMER | Das ist schon was Besonderes in dieser Untersuchungsgruppe. Normalerweise würden sie eher das Gegenteil finden, also dass mehr eine posttraumatische Belastungsstörung haben. Das zeigt schon, dass es eine hoch belastete, sehr spezifische Gruppe ist, die wir da in der Studie hatten.
Viele Betroffene, erklärt mir Heide Glaesmer, haben nicht eine psychische Erkrankung, sondern mehrere. Mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zum Beispiel gehen nicht selten Folgeerkrankungen einher.
HEIDE GLAESMER | Es kann leider passieren, dass man zum Beispiel, wenn man eine posttraumatische Belastungsstörung hat und damit eben Jahre und Jahrzehnte lebt, dass sich da zum Beispiel eine Suchterkrankung draufsetzt, weil die Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung so schwer zu ertragen sind, dass zum Beispiel ein gesteigerter Alkoholkonsum oder sowas eine Art Selbstbehandlung ist. Also wenn man nicht schlafen kann, wenn man andauernd in so einer chronischen Übererregung ist oder so, dass das was ist, womit man das sozusagen ein bisschen kontrollieren kann. Daraus kann sich eben zum Beispiel eine Suchterkrankung entwickeln. Oder was wir auch häufig finden, sind so Schmerzzustände – Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Das ist auch was, was wir kennen, dass sich das häufig auch noch sekundär aus der eigentlich initialen Erkrankung heraus entwickelt.
[kurzer Trenner]
Nicht wenige haben wegen der traumatischen Erfahrungen auch nach wie vor Schwierigkeiten, Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen und zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Und das hat eben Auswirkungen bis ganz tief in das Sozialleben hinein – auf Freundschaften, auf Partnerschaften, auf familiäre Beziehungen.
HEIDE GLAESMER | Da wird schon deutlich, dass sie weniger Nähe zulassen können – im Mittel, nicht jeder einzelne. Aber da bildet sich schon ab, was man auch erwarten würde. Das heißt aber eben auch, dass es vielleicht partnerschaftliche Beziehungen sind, die nicht so ganz nah und vertrauensvoll sind. Manchmal auch zu den eigenen Kindern, das muss aber nicht so sein. Es gibt auch Menschen in unserer Studie, die erzählt haben: „Ich habe so viel Schlimmes durchgemacht, mit meinen Kindern mache ich das anders – und das ist mir auch gelungen“. Aber grundsätzlich ist es natürlich so, dass wir von den Menschen, mit denen wir aufwachsen, geprägt werden. Und wenn jetzt jemand selbst zum Beispiel seine ganze Kindheit in einem Heim verbracht hat und nie wirklich Liebe und Fürsorge erlebt hat, was auch nicht auf alle Heimkinder zutrifft. Aber wenn man das sozusagen nicht erlebt hat, ist es natürlich ungleich schwerer, weil man ja selbst auch gar keine Erfahrung hat, die man nutzen kann. Das weiß, glaube ich, jeder, der selber Kinder hat. Wie man plötzlich vielleicht, wo man als Teenager oder junger Erwachsener manchmal gesagt hat: „Ich mache das alles anders als meine Eltern“. Wenn man dann Kinder hat, merkt man so, dass man doch darauf zurückgreift, wie man das selber erlebt hat, dass es da bestimmte Modelle und Überzeugungen gibt, viel auch Implizites. Und wenn man das nicht hat, muss man das ja wirklich sehr aktiv selbst entwickeln. Jetzt hängt es immer davon ab, wer der zweite Elternteil ist. Also es ist sehr komplex. Ich würde nicht zwangsläufig sagen, dass es sich immer irgendwie an die Kinder weitergibt. Aber ich glaube schon, dass das eine größere Herausforderung ist, wenn man selbst ungünstige Erfahrungen gemacht hat.
[kurzer Trenner]
Das alles beeinträchtigt viele Betroffene ganz erheblich in ihrem Alltag. Und ja, vielleicht lassen sich manche Folgen der traumatischen Erfahrungen durch eine Psychotherapie etwas abmildern. Aber wie schwer es ist, einen Therapieplatz zu bekommen, ist ja bekannt. Und wie lange das oft dauert, ist auch bekannt. Und dann kommt noch was dazu, sagt Corinna Thalheim.
CORINNA THALHEIM | Es muss ja auch funktionieren. Also das Gegenüber, es muss ja irgendwas da sein. Ich erzähle ja nicht jemandem irgendwas, wenn ich den nicht erriechen kann oder wie auch immer. Das ist halt so, Betroffene sind feinfühliger, die sind misstrauisch. Also wir trauen ja auch niemandem über den Weg.
Und falls man es doch schafft – und man hat nach zwei, drei, vielleicht vier, fünf Anläufen eine Therapeutin oder einen Therapeuten gefunden, wo es auch zwischenmenschlich einigermaßen passt, dann kann noch Folgendes sein. Nochmal Psychologin Heide Glaesmer.
HEIDE GLAESMER | … zumindest haben mir das die Zeitzeugen gesagt, dass sie eben dann, wenn sie wirklich anfangen, zu erzählen, was sie alles erlebt haben, dass es auch Kolleginnen und Kollegen gibt, die sagen: „Nee, also komplexe posttraumatische Belastungsstörung – das kann ich nicht, da müssen sie woanders hingehen“ oder so. Das kann also auch noch passieren, dass sich auch manchmal die Behandlerinnen vielleicht gar nicht an diese wirklich vielfältigen Sachen, die Menschen da passiert sind, heran trauen. Dass sie denken: „Ich weiß gar nicht, ob ich das ambulant gut behandelt kriege“ oder so. Und es ist natürlich so, dass viele ehemalige Heimkinder eben nicht gerne in eine stationäre Behandlung wollen, weil Kliniken schon sehr an Heime erinnern und eben auch eine Institution sind. Das heißt, so eine langzeitstationäre Psychotherapie lehnen viele auch ab, weil sie sagen: „Das halte ich nicht aus da, das erinnert mich zu sehr ans Heim“.
Corinna Thalheim hat mir tatsächlich auch erzählt, dass sie das von etlichen Betroffenen gehört hat. Dass sie psychische Unterstützung gesucht haben, aber es aus solchen Gründen nicht geklappt hat. Und dann bleibt eben nur, so Corinna Thalheim:
CORINNA THALHEIM | Naja, man lernt, damit zu leben. Man lernt halt, damit umzugehen. Man lernt, damit zu leben. Was anderes bleibt Ihnen ja nicht übrig.
[kurzer Trenner]
Etliche Betroffene sind wegen ihrer psychischen Erkrankungen erwerbsunfähig berentet. Etliche sind auch arbeitslos oder arbeiten im Niedriglohnsektor, weil es eben mit einem Achte-Klasse-Abschluss und ohne Ausbildung nicht so leicht ist auf dem Arbeitsmarkt. Dazu noch die psychischen Belastungen, manchmal längere Krankheitsphasen – und mittlerweile sind einige Betroffene Ende 50, Anfang 60 und haben es auch wegen ihres Alters schwerer. Das macht sich finanziell bemerkbar, viele sind von Armut betroffen. Nochmal Manuela Rummel von der Gedenkstätte in Torgau.
MANUELA RUMMEL | … und da kann ich aus unserer Erfahrung mit den Betroffenen, mit denen wir zu tun haben, nur sagen, ein Großteil lebt eben auch heute am Existenzminimum. Auch die Renten sind eben eher die kleinen Renten, auch die am Existenzminimum. Und das ist zum einen so dieses: Was macht das überhaupt mit einem Leben, auch wirtschaftlich? Dieses Gefühl der Ungerechtigkeit. Ich hatte auch nie die Möglichkeit, mich zu entwickeln, nie die Chance. Und es gibt ja ganz viele Betroffene, wenn man mit denen spricht, dann denkt man: „Hätten die eine Förderung erfahren, was hätten die für Chancen im Leben gehabt.“
Um die finanziellen Folgeschäden der Unterbringung in Torgau etwas abzumildern, konnten Betroffene ab 2012 Einmalzahlungen aus einem Fonds beantragen – maximal 10.000 Euro, zweckgebunden für eine größere Anschaffung, eine Reise oder für eine Psychotherapie. Das ging aber nur ungefähr zwei Jahre lang, danach war es plötzlich vorbei – deutlich früher als ursprünglich geplant. Die Resonanz darauf war, naja, ausbaufähig: Gerade mal um die vier bis fünf Prozent der Betroffenen haben so einen Antrag gestellt.
CORINNA THALHEIM | Es war nicht gut publiziert. Viele haben davon gar nichts gewusst. Viele wussten auch gar nicht, wo sie sich wirklich hinwenden sollten und hatten sich dann an die Gerichte gewendet. Die Gerichte haben abgelehnt. Dann haben die resigniert, die Betroffenen. Und haben sich gar nicht weiter darum gekümmert. Und es war auch nicht planbar, dass er so schnell geschlossen wird, der Fonds Heimerziehung. Es gibt heute noch Betroffene, die heute noch fragen. Denen wir dann sagen müssen: „Nee, der ist geschlossen, den gibt es nicht mehr“.
Dann gibt es noch die SED-Opferrente. Das ist eine monatliche Entschädigungsleistung, die man zusätzlich zum Lohn oder zum Bürgergeld oder zur Rente bekommt.
CORINNA THALHEIM | Und die kann Ihnen niemand anrechnen, die darf Ihnen niemand wegnehmen. Das ist Ihr Geld bis an Ihr Lebensende. Damit können die Betroffenen tun und lassen, was sie wollen. Und das ist für viele so ein Glücksgefühl.
Und da gibt es seit 1. Juli ein paar Verbesserungen für Betroffene: Einmal wurde die Opferrente erhöht – von 330 auf 400 Euro im Monat. Außerdem wird die Opferrente ab dem kommenden Jahr dynamisiert und an die Entwicklung der normalen Rente gekoppelt. Das heißt, wenn es eine Rentenerhöhung gibt, steigt auch die Opferrente. Und was noch eine echte Verbesserung ist: Die Bedürftigkeitsprüfung ist weggefallen.
CORINNA THALHEIM | Das ist so ein Meilenstein in der Geschichte der Aufarbeitung. Es ist unglaublich. Weil ich meine, jeder, der einen Antrag stellt, hat dieses Leid erlebt – egal wie.
Davor war es nämlich so, dass man nur bis zu einer gewissen Einkommensgrenze einen Anspruch auf die Opferrente hatte. Und diese Grenze lag zuletzt für Verheiratete bei etwas mehr als 2.000 Euro.
CORINNA THALHEIM | Wie kann man denn so was machen? Wie kann man denn wirklich so einen Cut machen und sagen: „Also der, der verdient, der, der es geschafft hat, kriegt nichts und der, der nicht das nicht geschafft hat, kriegt was“. Also diese Ungleichbehandlung war für mich immer ganz gruselig.
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Es ging bei dieser Gesetzesnovellierung aber nicht nur um die finanziellen Verbesserungen für Betroffene. Der Beschluss im Bundestag selbst hatte nämlich auch eine ziemliche Symbolkraft.
CORINNA THALHEIM | Es war so unglaublich, dass wirklich alle einstimmig das Gesetz mit verabschiedet haben. Das war unglaublich, weil das haben Sie normalerweise in so einer Diskussion nicht. Und als wir so auf dieser Tribüne standen und alle haben dann so geklatscht und alles drehte sich rum und dieser komplette Saal drehte sich rum und wir kriegten Standing Ovations. Das war so beeindruckend und so gigantisch. Das habe ich so noch nicht erlebt.
Um die Opferrente zu bekommen, muss aber eine wichtige Voraussetzung erfüllt sein: Die strafrechtliche Rehabilitierung. Das ist ein gerichtliches Verfahren, bei dem überprüft wird, ob zum Beispiel die Einweisung in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau rechtsstaatswidrig war und entsprechend im Nachhinein aufgehoben werden muss. Seit einem Grundsatzurteil im Jahr 2004 werden Betroffene, die in Torgau untergebracht waren, in solchen Verfahren eigentlich ohne Ausnahme strafrechtlich rehabilitiert. Nochmal Manuela Rummel.
MANUELA RUMMEL | Die grundsätzliche Rehabilitierung für Torgau ist erstmal relativ unkompliziert. Man muss es nur wissen – das ist es ja. Wissen das die Betroffenen auch, dass sie sich rehabilitieren lassen können? Wie gesagt, da braucht es einen Nachweis und dann muss man ein Dokument ausfüllen. Das kann natürlich auch schon eine Hürde sein. Da gibt es aber, wie gesagt, uns als Gedenkstätte zum Beispiel. Es gibt die Landesbeauftragten, die das auch immer mit unterstützen. Das ist für den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau keine Hürde mehr. Aber wenn es darum geht, die Haftfolgeschäden anzuerkennen. Das ist ja auch noch mal mit Geld verbunden. Die kann ich mir ja auch anrechnen lassen, diese Haftfolgeschäden.
Mit der strafrechtlichen Rehabilitierung ist nämlich neben der Opferrente auch eine einmalige Entschädigungsleistung verbunden, die Kapitalentschädigung. Etwas mehr als 300 Euro für jeden angefangenen Kalendermonat einer rechtsstaatswidrigen Freiheitsentziehung. Im Geschlossenen Jugendwerkhof waren die meisten Betroffenen maximal sechs Monate, manche wurden auch mehrmals eingewiesen. Vor Torgau waren so gut wie alle Betroffenen ja aber auch schon in anderen Heimeinrichtungen. Und auch die Unterbringung dort erkennen Gerichte zum Teil als rehabilitierbar an, aber eben nur zum Teil. Das sind immer Einzelfallentscheidungen. Und dann gibt es noch ein Problem.
MANUELA RUMMEL | Wir sprechen von Menschen, wir sprechen nicht nur von Akten. Und mittlerweile sollte das auch so sein, dass Betroffene auch angehört werden vor Gericht. Aber nach wie vor gibt es Gerichte, die nur auf Aktenlage der DDR-Jugendhilfe Urteile fällen. Das heißt, die Akte – und ich könnte jetzt sagen, das ist eine Täterakte, eine Unrechtsakte – die hat immer noch so viel Macht. Und da schaut man eher in die Akte, um zu gucken, was können wir denn hier finden, um nicht zu rehabilitieren? Man könnte aber auch die Akte anschauen und danach suchen, was sind denn die Gründe, um zu rehabilitieren?
Das erzählt mir auch Corinna Thalheim. Sie hat den Prozess auch durchgemacht, mehrmals sogar. Und sie erlebt das auch bei ihrer Arbeit als Beraterin immer wieder, da unterstützt sie andere Betroffene unter anderem bei der Aktenrecherche für die strafrechtliche Rehabilitierung.
CORINNA THALHEIM | Was wir aber immer sagen und schon immer gesagt haben, ist: Es sind Täterakten. Darüber müsst ihr nachdenken. Versucht die nicht alleine zu lesen und identifiziert euch nicht damit. Da sind unwahrscheinlich viele Lügen drin, damit eben die Einweisungen auch funktioniert haben. Und nach diesen Akten wird rehabilitiert. Und es heißt immer, wer keine Akten hat, wird rehabilitiert. Und wer Akten hat, kann durchfallen. Also ganz simpel gesagt. Weil in die Akten reingeguckt wird.
Immerhin: Diese Gerichtsprozesse sollen auch etwas vereinfacht werden durch die Gesetzesnovellierung vom Juli. Damit wurde nämlich auch die so genannte Vermutungsregelung eingeführt.
MANUELA RUMMEL | Bis jetzt war es ja so: Wenn ich Folgeschäden hatte, musste ich mich überall begutachten lassen, ehe ich dann vielleicht auch diese Folgen anerkannt bekommen habe. Und dann ging es darum, dass ich als Person nachweisen musste, dass diese Folgeschäden auch aus den Erlebnissen in der Heimzeit resultieren – und das ist oftmals sehr, sehr schwer. Und nun ist es so, dass die Beweislastumkehr gilt. Das heißt, wenn ich eine posttraumatische Belastungsstörung habe, muss mir nachgewiesen werden, dass die nicht aus der Zeit vom Heimaufenthalt kommt. Das ist natürlich auch ein unheimlicher Zugewinn. Jetzt müssen wir nur mal schauen, was das im praktischen Umgang bedeutet. Aber auch das ist ein Erfolg dieser Gesetzesnovellierung.
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Es geht vielen Betroffenen bei der strafrechtlichen Rehabilitierung aber nicht allein um die finanziellen Entschädigungen. Das Geld kann das erlittene Leid sowieso nicht kompensieren. Es geht vielen auch noch um etwas anderes, um einen bestimmten Satz:
CORINNA THALHEIM | In diesem Beschluss des Gerichtes steht nämlich drin: Es wird für rechtsstaatswidrig anerkannt und aufgehoben. Genau das ist der Satz.
Durch den Gerichtsbeschluss haben es Betroffene schwarz auf weiß: Die Einweisung und Unterbringung im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau war rechtswidrig. Das ist für viele von großer Bedeutung, das hört auch Manuela Rummel in Gesprächen mit Betroffenen immer wieder.
MANUELA RUMMEL | Das ist in erster Linie erstmal etwas, was für die Betroffenen ganz wichtig ist. Wenn es doch bis heute nach wie vor Menschen gibt, die der Meinung sind: „Na ja, ihr wart schon nicht ohne Grund da.“ Und selbst wenn – was soll denn der Grund sein, sowas wie den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau erleben zu müssen?
Manuela Rummel spricht hier ein Problem an, mit dem viele Betroffene und teilweise sogar ihre Angehörigen nach wie vor in ihrem Alltag konfrontiert sind: Mit Stigmatisierung und Ausgrenzung, mit Vorurteilen und Vorverurteilungen, mit Unverständnis und Desinteresse. Corinna Thalheim erlebt das auch immer wieder.
MANUELA RUMMEL | Das ist so, man geht an die Öffentlichkeit, man erzählt das. Und dann ist es immer dieses „Ja, und jetzt jammern die wieder und hmhmhm“. Weil es ist ja wirklich über Jahre hinweg immer verbreitet wurden, dass wir Kleinkriminelle und Verbrecher waren. „Die werden das schon verdient haben“ und „Da wird ja schon was dran sein“ und „Die sind ja nicht umsonst dort gewesen“. Es geht auch gar nicht darum, wer wann warum drin war, sondern: Wie ist das da drin gewesen? Was hat man Kindern und Jugendlichen in der DDR in diesen Einrichtungen angetan? Da ist das völlig uninteressant, warum der da drin war. Sondern was hat man ihm angetan und wie kommt er raus? Man hat Kinder gebrochen und man hat sie kaputt gemacht. Und das tragen die heute noch mit sich.
[langer Trenner setzt ein]
Kapitel 4: Morgen
[Trenner klingt aus]
Was den Betroffenen im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau angetan wurde, lässt sich nicht wiedergutmachen. Auch Dinge, die bis heute versäumt oder Fehler, die seitdem gemacht wurden, lassen sich nicht rückgängig machen. Aber immerhin: Viele Betroffene sind noch gar nicht so alt, es ist also noch Zeit für Nachbesserungen. Die Novellierung der so genannten SED-Unrechtsbereinigungsgesetze im Juli, das war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Mehr davon, fordern viele Betroffene. Was also kann in Zukunft für sie getan werden? Das lässt sich gar nicht so leicht beantworten, denn die Bedürfnisse und Bedarfe der Betroffenen sind sehr individuell und entsprechend vielfältig. Es braucht deshalb spezialisierte Angebote, hat Psychologin Heide Glaesmer in ihrer Studie mit Betroffenen festgestellt.
HEIDE GLAESMER | Was wir so erlebt haben mit den Betroffenen, die sich für die Studie gemeldet haben oder die wir in der Arbeit getroffen haben, ist, dass es, glaube ich, eher so eine Anlaufstelle bräuchte, die auch schaut, was braucht jemand? Braucht jemand juristische Unterstützung, weil er, was weiß ich, eine strafrechtliche Rehabilitierung oder eine Opferrente oder sowas beantragen will? Oder braucht er Hilfe, weil er von Armut betroffen ist und das Risiko hat, seine Wohnung zu verlieren, weil er die Miete nicht bezahlen kann? Oder braucht jemand eine Psychotherapie oder vielleicht ein gutes Selbsthilfeangebot, was moderiert ist, wo er sich mit anderen austauschen kann? Ich glaube, es braucht eher sowas wie eine Clearingstelle, die schaut, wo kann ich jemanden hinschicken, wo er dann mit sehr spezifischen Bedarfen eben gut versorgt wird.
Solche Clearingstellen gab es schon mal, in Leipzig zum Beispiel. Das war als es den Fonds Heimerziehung gab, also von 2012 bis 2018. Dann wurde der Fonds geschlossen – und die Clearingstellen auch.
HEIDE GLAESMER | Da konnte man hingehen. Da mussten ja unter anderem Unterlagen recherchiert werden, dabei haben die einem geholfen. Aber die haben eben auch die psychologische, psychosoziale Beratung dabei gehabt. Und da saßen einfach Kollegen und Kolleginnen, die sich mit diesem Thema wahnsinnig gut auskannten. Vor allem, nachdem sie das eine Weile gemacht hatten. Deswegen ist es wirklich traurig, dass diese Beratungsstellen so nicht weiter existieren. Weil das für viele Betroffene wirklich eine Anlaufstelle war und weil die Menschen, die da gearbeitet haben, eben wirklich für dieses Thema eine extrem gute Expertise hatten.
[kurzer Trenner]
Naja… Es gibt aber auch Dinge, die sind vielen Betroffenen gleichermaßen wichtig. Die gesellschaftliche Anerkennung des Unrechts zum Beispiel.
HEIDE GLAESMER | Also dass sich eine Gesellschaft damit auseinandersetzt, dass es eine Öffentlichkeit gibt für das, was in den Einrichtungen passiert ist, dass es eben zum Beispiel die Gedenkstätte gibt, in der man sich das anschauen kann, dass es Medienberichte gibt, dass es Bücher gibt, dass es einen Diskurs darüber gibt. Das ist, glaube ich, auch total wichtig. Und dass einem geglaubt wird, wenn man so was erzählt. Dass nicht jemand sagt: „Na ja, ganz ohne Grund wirst du schon nicht in Jugendwerkhof gekommen sein“ oder „So schlimm war das da vielleicht gar nicht“. Das ist ja etwas, was Zeitzeugen auch immer wieder berichten, dass ihnen sowas passiert. Oder vielleicht nicht mal unbedingt, dass es in Zweifel gezogen wird, aber dass niemand wirklich – wir sagen immer – aufrichtig zuhört. Also im Sinne von, dass er sich wirklich interessiert für das, was jemandem da passiert ist.
Echtes Interesse, Anerkennung, vielleicht sogar Verständnis und Wertschätzung – da ist in den letzten Jahren schon was in Gang gekommen, erzählt mir Corinna Thalheim. Aber mehr als ein Anfang ist das für sie nicht.
CORINNA THALHEIM | Wenn jetzt Veranstaltungen sind oder irgendwas. Oder wie jetzt das neue Gesetz und so, dann ploppt das nochmal. Aber so wie das ploppt, so geht das auch wieder unter. Das heißt, wir müssen mehr wirklich in die Öffentlichkeit, wir müssen mehr darüber reden. Und es ist immer irgendwo so ein Stück, naja… man kriegt halt ein Stück gegeben und es wird einem dann aber auch ganz viel wieder genommen. Das reicht einfach nicht. Es muss auch irgendwoher mal eine Anerkennung kommen.
Und es braucht auch noch mehr Aufklärung und Sensibilisierung, da sind sich Corinna Thalheim, Heide Glaesmer und Manuela Rummel einig. Aufklärung darüber, was mit den Jugendlichen im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau und auch in anderen Spezialheimen der DDR gemacht wurde, um ein Bewusstsein dafür entwickeln zu können, wie es Betroffenen damit geht und wie komplex die Folgen sind, die das alles für sie hatte – und hat – und wahrscheinlich immer haben wird. Ganz wichtig ist das vor allem auch auf der institutionellen Ebene, also in der Politik, der Justiz und auch im medizinischen Bereich – bei Ärztinnen, Psychotherapeuten und beim Pflegepersonal in Kliniken und der Altenpflege. Gerade Letzteres bereitet vielen Betroffenen Sorgen: Was, wenn ich im Alter wieder in ein Heim muss?
CORINNA THALHEIM | Weil das ist wieder Struktur und es will keiner mehr in diese Strukturen. Und das ist wieder dieses Kontrolliertsein. Dieses „Du musst jetzt 11:30 Uhr zum Mittagessen da sein, weil dann wird weggeräumt“ – und dann kommt derjenige nicht. Dann ist das ein Querulant und dann wird man abgestempelt und so. Also das müsste wirklich in die Ausbildungen rein.
Die Versorgung im Alter, das ist auch in der Studie von Heide Glaesmer eine Sorge, die Betroffene häufig geäußert haben.
HEIDE GLAESMER | Viele sagen „Ich war schon mal im Heim, ich gehe nicht nochmal in ein Heim“. Und gerade, wenn sie allein leben und nicht so wahnsinnig viel Geld haben, dann können sie sich ja zum Beispiel auch nicht irgendeine aufwendige häusliche Pflege leisten und so – also da stehen zum Teil auch solche Versorgungsfragen im Raum.
[kurzer Trenner]
5. Epilog
[Atmo | Rauschen S-Bahn]
Ich war während meiner Recherche für dieses Feature etliche Male in der Gedenkstätte in Torgau. Jedes Mal, wenn ich dann wieder in der S-Bahn zurück nach Leipzig saß, war ich ziemlich erschüttert. Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung in Kinder- oder Jugendheimen – davon hört und liest man ja bedauerlicherweise immer wieder. Das gab es im geteilten Deutschland auf beiden Seiten der Mauer und auch nach der Wiedervereinigung noch. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: In der BRD war das Unrecht, das den Kindern und Jugendlichen angetan wurde, zumindest nicht politisch gewollt. Es geschah dort auch im Verborgenen, hinter dem Rücken der Öffentlichkeit und vielleicht wussten manche in der Politik davon, haben aber weggeschaut oder es zumindest nicht verhindert. Das war in der DDR nicht anders. Doch: Was den Jugendlichen in Torgau angetan wurde, das war den politisch Verantwortlichen in der DDR nicht nur bekannt, es entsprach dem politischen Willen. So wird es in der Forschung gesehen. Und das liegt auch auf der Hand, wenn man bedenkt, dass der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau dem Ministerium für Volksbildung direkt unterstellt war. Und an der Spitze dieses Ministeriums stand keine Geringere als Margot Honecker, die Frau des langjährigen Staatsoberhaupts der DDR, Erich Honecker.
CORINNA THALHEIM | Es gibt ganz viele Dinge, die da noch offen sind. Die Aufarbeitung der Heimerziehung wird nicht enden.
Vor mittlerweile 15 Jahren hat sich Corinna Thalheim deshalb dazu entschieden, das verordnete Schweigen zu brechen und ihre Erfahrungen öffentlich zu machen.
CORINNA THALHEIM | Das war meine Form der Aufarbeitung. Also in die Öffentlichkeit zu gehen und darüber zu erzählen. Dann halt auch mit Betroffenen Kontakt zu suchen, um für mich zu wissen: Bin ich alleine mit den ganzen Geschichten? Also wie so eine Konfro-Therapie. Und es hat mir geholfen, also ich komme ganz gut in meinem Leben zurecht damit. Auch mit meinen Ticks zu leben und allem, was ich habe.
[Outro setzt ein]
Corinna Thalheim hat für sich einen Weg gefunden, mit der Vergangenheit umzugehen. Darauf kommt es am Ende an. Und wir – als Gesellschaft – sollten eines nicht vergessen. Nochmal Heide Glaesmer.
HEIDE GLAESMER | … dass wir neben allen negativen Folgen und allen Belastungen, die zum Teil bis heute existieren, dass wir immer auch einen Blick auf diese Überlebensleistung der Menschen haben, die sowas erlebt haben. Die es geschafft haben, damit zu leben. Die es geschafft haben, heute immer noch am Leben zu sein und Familien gegründet haben, Berufe hatten und haben und so weiter. Diesen Blick sollten wir auch haben. Dass wir nicht nur, was weiß ich, im Deutschen benutzen wir häufig den Opferbegriff. Der ist in gewisser Weise wichtig, weil der klarmacht, dass es eine Kompensation braucht oder eine Unterstützung. Andererseits drückt der einen aber in eine sehr passive Rolle. Und ich glaube, es ist wichtig, dass wir auch einen Blick darauf haben, dass das ja mit allen Schwierigkeiten Menschen sind, die uns darüber erzählen können, also die noch da sind.
[Outro klingt langsam aus]
SPRECHER | Das war „Torgau, lebenslänglich“. Ein Feature von Oliver Haupt. Es sprachen Oliver Haupt und Johannes Schmidt. Idee, Story, Redaktion und Produktion: Oliver Haupt. Mit Musik von Felix Huster. Ein besonderer Dank an Heide Glaesmer, Manuela Rummel und Corinna Thalheim. Dieses Feature ist ein Abschlussprojekt im Masterstudiengang „Multimedia und Autorschaft“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Betreuung: Maren Schuster und Patrick Vonderau.